Freitag, 27. April 2012

Charlie Chaplin und der Ballengang


Quelle: Wikipedia
Charles Chaplin – besser bekannt als Charlie Chaplin – war einer der einflussreichsten Komiker des 20. Jahrhunderts. In den meisten Rollen des britischen Schauspielers, Regisseurs, Komponisten und Produzenten verkörperte er den tollpatschigen und stark überzeichneten einfachen Mann der Unterschicht, der jedoch ein Herz aus Gold hat. Was hat jetzt Chaplin mit dem Ballengang zu tun werden Sie sich fragen?

Nun, eigentlich hat er sehr viel mit dem exakten Gegenteil zu tun. Denn er ist bekannt und berühmt für seinen watschelnden Gang, bei dem die Füße stark nach außen zeigen. Als ich noch ein kleiner Junge war, konnte sich jeder unter „Gehen wie Charlie Chaplin“ etwas vorstellen ohne jedoch jemals einen Film von Ihm gesehen zu haben.


In der Stummfilmzeit setzte man wie in der heutigen Filmwelt auf Stereotype. Da typische Sprechweisen oder Dialekte nicht darstellbar waren, mussten Gestik und Mimik häufig stark überzeichnet werden, um dem Zuschauer auf einen Blick zu zeigen welchen Charakter der Schauspieler darstellte. Man bediente sich eines gewissen Vorurteils – eines Stereotyps. Chaplin wählte den watschelnden Gang mit den nach außen gedrehten Füßen also aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zufällig.

Auch heute sehen Sie Menschen mit einem solchen Gangbild täglich auf der Straße. Vielleicht nicht so überzeichnet wie bei Chaplin aber einseitig oder beidseitig nach außen gedrehte Füße sind keine Seltenheit. Vielleicht kennen Sie dieses Muster ja auch von sich selbst – sofern Sie kein Ballengänger sind.
Das Interessante ist, dass ein derartig unfunktionales verdrehen der Füße im Ballengang fast nicht möglich ist. Wenn Sie schon Erfahrungen im Ballengang haben, probieren Sie doch einmal, Ballengang zu gehen und dabei die Füße in Chaplin Manier nach außen zeigen zu lassen.

Natürlich wird es Ihnen irgendwie gelingen aber Sie werden sich sehr seltsam dabei fühlen und müssen das Muster sehr aktiv machen. Es fühlt sich absolut falsch an und sieht auch noch sehr komisch aus. Gehen Sie aber fälschlicherweise über die Ferse und „rollen ab“ dann wird es Ihnen ohne Probleme gelingen, die Füße in diese Position zu bringen und dabei zu gehen. Und es fühlt sich nicht annähernd so seltsam an.
Dabei ist dieses falsche Bewegungsmuster sehr schädlich. Knie- und Fußgelenk bewegen sich beim funktionalen Gehen nämlich normalerweise in eine Richtung. Das Knie ist sogar im Grunde ein Scharniergelenk und arbeitet nur in einer Bewegungsrichtung optimal. Gehen Ihre Füße nun beim Gehen mehr oder weniger stark nach außen, dann nutzen Sie entweder Ihr Knie- oder Ihr Fußgelenk absolut falsch. Beim Knie führt das häufig zu einer Überlastung der Innenseite mit den entsprechend häufig vorkommenden Folgeproblemen, die Sie aus Ihrem Bekanntenkreis kennen. Leider erkennt man diese einfache Ursache oft nicht. Beim Fuß kann Ihr Fußgewölbe – und ich hoffe Sie haben eines – das Gewicht Ihres Körpers nicht stützen und auffangen und Sie fallen seitlich über die Innenseite Ihres Fußes ins Nichts. Ergebnis ist ein schöner Plattfuß oder Senkfuß – Wie auch immer Sie es nennen möchten. Die Kombinationen dieser beiden Varianten sind dabei beliebig und variabel. Und Sie wundern sich, dass man mit künstlichen Knie- oder Hüftgelenken gutes Geld verdienen kann?

Beim Ballengang bewegen sich Fuß, Fußgelenk und Knie automatisch in einer Linie, so wie es von der Natur vorgegeben ist. Probleme durch die oben beschriebenen Fehlbelastungen treten nicht auf. Auch muskuläre Dysbalancen auf der Außenseite der Beine, die bis in die Po-Muskulatur hochziehen und von dort den gesamten Körper aus dem Lot bringen können, finden Sie nur bei Fersengängern mit den typischen nach außen rotierten Füßen. Ballengänger bleiben davon verschont.

Ich glaube es erübrigt sich zu erwähnen, dass die Probleme, die Sie durch die Fehlnutzung bereits beim Gehen erzeugen, sich im Laufsport potenzieren. Sie arbeiten im übertragenden Sinne unter Höchstleistung mit falsch eingestelltem Equipment.

Und ganz abgesehen von den gesundheitlichen Nachteilen sollten Sie vielleicht darüber nachdenken, ob Sie wie einer der Charaktere von Chaplin durch die Gegend watscheln wollen oder lieber grazil im Ballengang durch die Welt schreiten ;)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen