Dienstag, 7. Juni 2011

The Barefoot Prof.


Ein sehr interessantes Video mit Harvard Professor Daniel Lieberman. Seine Untersuchungen zeigen, dass Barfußläufer dazu tendieren auf dem Ballen oder „fore-foot“ zu landen. Und nicht nur das! Seine Forschungen zeigen auch, dass das Landen auf dem Ballen deutlich schonender für den Organismus ist. Ganz klar, denn nur mit dem Ballengang kann das Fußgewölbe seine natürliche Funktion als Stoßdämpfer voll ausfüllen. Viel Spaß mit diesem kleinen Clip

P.S. Es ist übrigens interessant zu sehen, dass Lieberman den „Ballengang“ einsetzt, wenn er demonstrativ durch NYC barfuß läuft und gleichzeitig beim „normalen“ Gehen plump auf der Ferse landet. Scheinbar hat er das Konzept nicht so wirklich ganzheitlich erfasst :-)

P.P.S. Hatte gerade E-Mail Kontakt mit Prof. Lieberman. Interessanterweise hält er Ballen-Laufen für "normal" und Ballen-Gehen dagegen nicht. Dieser etwas seltsamen Inkonsistenz werde ich einmal "nachgehen". Das erklärt aber zunächst einmal warum er so schlecht geht. ;-)

Kommentare:

  1. "Should I avoid a heel strike when walking barefoot?
    This is not an issue we have studied yet much, but our observations are that its totally normal to heel strike when walking, even when barefoot. That said, barefoot walkers often walk with a less pronounced heel strike or more of a midfoot strike. One study has shown that heel strike walking is more efficient than forefoot strike walking."

    http://barefootrunning.fas.harvard.edu


    Wenn sie vom "study" schreiben, so denke ich, beziehen sie sich auf die study, auf die sich folgender Artikel bezieht:

    www.hier-luebeck.de/2010/02/der-mensch-ist-geborener-langstreckengeher-evolution-spezialisierte-sich-auf-den-fersengang


    Warme Grüße aus Mönchengladbach ;-)

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  2. Dieser Artikel ist natürlich bekannt. Was mir bei solchen Studien und Tests jedoch auffällt ist, dass oft die Grundlagen schon recht wackelig sind.

    „Um das festzustellen, untersuchten die Wissenschaftler Freiwillige, die sich auf einem Laufband bewegten. Jeder von ihnen lief in drei unterschiedlichen Arten, indem die Füße zunächst auf den Fersen, dann auf den Ballen und schließlich auf den Zehen abgesetzt wurden.“ Hier ist in meinen Augen schon der Knackpunkt.

    Ich bringe Menschen schon seit Jahren den Ballengang bei. Die meisten brauchen eine gewisse Zeit, bis sie das neue alte Bewegungsmuster automatisiert haben. Da stellt sich mir die Frage, wie aussagekräftig dann eine Studie ist, wo „Freiwillige“ dieses Muster mal eben so umsetzen sollen. Für mich lässt sich ein vermehrter Energieverbrauch (hier gemessen an der Atemluft) schon alleine durch eine vermehrte Hirnaktivität beim Umsetzten eines „unbekannten“ Bewegungsmusters im Verhältnis zum bekannten Fersengang erklären.

    Vergleicht man auf diese Art und Weise den „Energieverbrauch“ beim Autofahren und nimmt einen „Profi“ und einen Fahranfänger, dann dürften die Ergebnisse erheblich unterschiedlich sein. Obwohl die Aktivität doch die gleiche ist. Das ist in dieser Studie nicht berücksichtigt. Auch nutzt ein Fersengänger natürlich andere Muskelketten als ein Ballengänger. Wenn jemand so auf ein ihm unbekanntes (zumindest in dem Kontext, denn in vielen Bereichen machen wir automatisch Ballengang) Bewegungsmuster umsteigt, ist natürlich auch die Einstellung der muskulären Koordination eher suboptimal. Auch sind für den Ballengang notwendige Muskelgruppen durch ständiges Fersegehen ggf. schlecht ausgebildet. Hier zieht wieder der Vergleich Anfänger und Profi im Auto. Für mich war in meinen ersten Fahrstunden alleine das Schalten schon ein schweißtreibender Akt, der heute entspannt und unterbewusst abläuft (und nicht nur, weil ich Automatik fahre *haha*).

    Abgesehen von meinem rein subjektiven Empfinden bin ich daher bei solchen Studien eher vorsichtig was die Aussagefähigkeit betrifft.

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  3. Frage 2: Waren Schuhe im Spiel? Das weiß ich zumindest aus der Erinnerung nicht mehr.

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  4. Mit einem Midfoot-Strike könnte ich übrigens in der Tat sogar noch leben, denn scheinbar verschwimmen die Mid- und Front-Foot Grenzen in manchen Definitionen ein wenig :)

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  5. Im Originalartikel waren auf dem Foto keine Schuhe:

    http://jeb.biologists.org/content/213/5/i.2.full?sid=fd478a2e-672a-4e69-9ab8-e2b7685a948f

    Aber ja, wenn es stimmt, dass die Testpersonen alle geläufige Rückfußläufer waren (so kommts nämlich im Artikel rüber), dann ist die Studie unfair.


    Zum Mittelfußlauf fällt mir auch der Rolfer Thomas Walser ein:

    "Man setzt zuerst mit der Ferse auf, die aber noch kaum Gewicht trägt. Erst beim Aufsetzen des Mittel- und Vorfusses kommt der Hauptteil des Körpergewichts zum Tragen."

    www.dr-walser.ch


    Ein Fakt, keine Meinung: Rückfußlaufen ohne speziell dafür entworfene Schuhe tut weh. Akzentuiertes Rückfußgehen ebenso.
    Das bewegt einen auf jeden Fall zum Nachdenken.

    Alles andere führt anscheinend zu vielen Meinungsverschiedenheiten. Dogmatismus erschwert hier allerdings den Dialog. Meine 2 Cent.

    (Ist nicht speziell an den Blogautor gerichtet, sondern an alle die über diese Themen sinnieren.)

    Liebe Grüße

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  6. Ist ja auch ein superinteressantes Thema. Und viele Meinungen machen das Diskutieren interessant.

    Die Anmerkung, daß Rückfuß- oder Fersengang ohne Schuhe wenig spassig ist, ist auch für mich einer der Hauptfaktoren. Rein subjektiv empfinde ich das nämlich genauso. Denkt man nun konzeptionell und berücksichtigt, dass die Bewegungsmaschine Mensch ohne Schuhe zur Welt kommt, dann setzt zumindest auch bei mir spätestens da das Grübeln ein.

    Wozu braucht es all dieser Dämpfungseigenschaften von Schuhen, wenn der Fersengang unser natürliches Bewegungsmuster ist? Und warum benutze ich meinen Fuß beim Rennen, Springen, Seitwärtsgehen, Treppensteigen usw. genau anders herum? Nämlich Mittel- oder Ballenlastig. Fragen über Fragen :)

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